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Internet-Magazin Sternenhimmel Wandern Traum Verheiratet Eine Wunderbare Ehe Kein Grund Zur Sorge ...

Von der Sternschnuppe, die nicht verging.

Das Haus am Meer.

Ich lebe hier, in einer Hütte, die nach Salz riecht und nach dem Holz alter Schiffe. Der Weg zum Strand dauert drei Minuten, wenn ich langsam gehe, und fünf, wenn ich am Ufer sitzen bleibe, um den Möwen zuzusehen. Meine Frau schläft jetzt öfter am Nachmittag. Dann gehe ich hinaus, setze mich auf die Düne, lasse den Wind über meine Hände streichen. Die Wellen kommen und gehen, und die Zeit scheint sich zu verlangsamen, als hätte sie genug von der Eile. Es war ihre Idee, hierherzuziehen. Sie sagte, sie wolle das Meer sehen, jeden Tag, bis sie es nicht mehr sehen könne. Ich sagte ja, ohne zu zögern. Jetzt sitze ich hier und schreibe für sie. Nicht über uns, nicht über das, was war. Über das, was bleibt. Manchmal, wenn die Sonne im Meer versinkt und das letzte Licht über den Wellen zittert, denke ich an die Jahre, die hinter uns liegen. An die Fahrten mit dem Zug, als wir jung waren, an die Nächte, in denen wir im Freien schliefen und die Sterne zählten. Sie sagte damals, dass eine Sternschnuppe einen Wunsch erfüllt, wenn man sie rechtzeitig sieht. Wir sahen viele. Und wir wünschten uns immer dasselbe.

Die Nacht des Feuerwerks.

Es war in jenem Sommer, als wir noch nicht alt waren. Wir saßen auf einer Decke, die sie aus dem Haus geschmuggelt hatte, und tranken Wein aus Plastikbechern. Das Feuerwerk begann spät, erst als der Himmel ganz schwarz war. Die ersten Raketen stiegen lautlos auf, dann der Knall, die Farbe. Sie klatschte in die Hände, wie ein Kind. Ich erinnere mich nicht mehr an die Farben. Aber ich erinnere mich, dass sie sagte: „Schau, wie sie fallen. So schnell, so hell. Wie Sterne, die nicht bleiben können.“ Ich sagte: „Vielleicht bleiben sie, wenn man sie lange genug ansieht.“ Sie lachte. „Man kann Sterne nicht festhalten.“ Ich hielt ihre Hand. Sie war warm, trotz der Nacht. Später, als die Menschen gegangen waren und die Funken im Meer erloschen, blieben wir sitzen. Der Sand war kalt, aber sie lehnte sich an mich. Ich spürte, wie sie atmete. Ich spürte, wie die Stille nach dem Lärm sich über uns legte. Sie sagte: „Das war schön.“ Ich sagte: „Ja.“ Sie fragte: „Woran denkst du?“ Ich dachte daran, dass alles vergeht. Ich sagte: „An Sterne.“ Sie lächelte. Ich wusste, dass sie verstand. Jetzt, so viele Jahre später, sitze ich wieder am Meer. Das Feuerwerk findet nicht mehr statt. Aber die Sterne sind noch da. Und ihre Hand, die ich damals hielt, ist noch hier, im Haus. Sie schläft. Ich schreibe.

Die erste Begegnung.

Vor langer Zeit, als der Himmel noch nicht so voll war von den Geschichten der Menschen, lebte ein junger Stern am Rand einer Milchstraße. Er war nicht der hellste, nicht der größte, aber er brannte gleichmäßig und still. In den Nächten, wenn die anderen Sterne ihre Bahnen zogen, blieb er oft zurück und blickte ins Leere. Er wusste nicht, wonach er suchte. Eines Nachts fiel eine Sternschnuppe. Sie raste nicht vorbei wie die anderen, sie blieb. Sie hing in seiner Nähe, ihr Licht flackerte, als würde sie atmen. Der junge Stern wagte nicht zu fragen, warum sie nicht weiterflog. Sie sagte: „Ich habe mich verirrt.“ Er sagte: „Dann bleib, bis du den Weg findest.“ Sie blieb. Sie erzählte ihm von den Welten, die sie gesehen hatte, von den Ozeanen, die glühten, von den Wüsten, die aus Glas waren. Er hörte zu, und seine Stille wurde wärmer. In der dritten Nacht berührten sich ihre Lichter. Es war kein großer Knall, nur ein Leuchten, das tiefer wurde. Sie sagte: „Ich muss weiter.“ Er sagte: „Ich warte.“ Sie versprach zurückzukommen, wenn sie am Ende der Milchstraße gewesen sei.

Die weise Stimme.

Die Nächte wurden länger. Der junge Stern brannte heller, als die anderen erstaunt zusahen. Doch mit jedem Tag, der verging, wurde sein Licht unruhiger. Eine alte Sternschnuppe, die in der Nähe ruhte, sprach ihn eines Abends an: „Du zitterst.“ Er sagte: „Ich warte.“ Sie sagte: „Das Warten macht das Licht krank.“ Er antwortete nicht. Die Alte kannte die Wege der Schnuppen. Sie waren Wandrer, die nie blieben. „Sie wird nicht zurückkommen“, sagte sie. Der junge Stern flackerte, aber er erlosch nicht. „Sie hat es versprochen.“ Die Alte lachte leise, ein Geräusch wie fernes Eis. „Versprechen sind für die, die bleiben.“ Sie zog weiter, und der junge Stern blieb allein. Doch er verglühte nicht. Er formte sein Licht neu, zog es enger zusammen, ließ es ruhiger brennen. Wenn die Schnuppen nachts über ihn hinwegfegten, dachte er an ihren Namen, den er nicht kannte. Und das Leuchten hielt.

Die Prüfung.

Eine Nacht kam, in der der Himmel sich verdunkelte. Kein Wind wehte, kein Stern zog seine Bahn. Eine Wolke, schwarz und schwer, schob sich vor den jungen Stern. Sie sprach nicht, sie flüsterte. Ihre Stimme kroch in sein Licht, kalt und zäh. „Sie ist nicht mehr“, sagte sie. „Verglüht. Verloren. Du wartest umsonst.“ Der junge Stern zitterte. Sein Licht flackerte, die Ränder wurden unscharf. Die Wolke zeigte ihm Bilder: die Schnuppe, die in eine Sonne stürzte, die in einem schwarzen Loch verschwand, die vergaß, wo sie war. „Siehst du?“, flüsterte die Wolke. „Nichts bleibt. Auch du nicht.“ Der junge Stern schloss seine Augen. Nicht wirklich, denn Sterne haben keine Lider. Er zog sein Licht in sich zurück, so tief es ging. Er dachte an den Moment, als sie sich berührten. An ihr Versprechen. An das Leuchten, das tiefer wurde. Er öffnete die Augen. Sein Licht brannte ruhiger, klarer, stärker. „Ich warte“, sagte er. Die Wolke wich zurück. Sie konnte sein Licht nicht durchdringen. Sie löste sich auf, und der Himmel war wieder klar. Der junge Stern brannte weiter. Aber sein Licht war jetzt anders. Es zitterte nicht mehr.

Das Warten.

Hier, an meinem Strand, zähle ich die Wellen nicht. Ich zähle die Nächte, in denen ich wach liege und an sie denke. Meine Frau hat mir einmal gesagt, dass sie im Traum zu den Sternen geht. Ich habe sie nie gefragt, wen sie dort trifft. Aber ich schreibe für sie diese Geschichte, in der ein Stern wartet, wie ich warte. Nicht auf eine Rückkehr – sie ist ja hier, sie schläft im Zimmer nebenan. Ich warte auf den Moment, in dem sie aufwacht und ich ihr sagen kann: Sieh, ich habe dir den Himmel aufgeschrieben. Der junge Stern in meiner Geschichte begann, die anderen Schnuppen zu beobachten. Er sah, wie sie kamen und gingen, wie sie in der Atmosphäre verglühten, ohne je anzukommen. Er lernte, die langen Bahnen zu unterscheiden, die schnellen von den zögernden. Und eines Nachts, als der Himmel besonders klar war, sah er eine Schnuppe, die langsamer fiel als alle anderen. Sie zögerte an der Stelle, wo sie sich begegnet waren. Dann zog sie weiter. Der junge Stern glaubte, er hätte geträumt. Aber sein Licht brannte plötzlich heller.

Der Brief.

Ich schreibe an meinem kleinen Tisch, der vor dem Fenster steht. Draußen ist es dunkel, nur der Leuchtturm in der Ferne wirft sein Licht über das Wasser. Meine Frau hat heute länger geschlafen als sonst. Ich hörte sie kaum atmen. Das Haus war still, und ich dachte an die ersten Jahre, als wir noch laut waren, als wir nachts noch tanzten, bis die Nachbarn klopften. Jetzt ist die Stille unser Tanz. Ich habe ihr noch nie einen Brief geschrieben. Wir haben immer geredet, gestritten, geschwiegen. Aber heute will ich es tun. Vielleicht, weil die Worte im Brief bleiben, wenn die Stimme nicht mehr reicht. Vielleicht, weil der Stern in meiner Geschichte nicht aufhört zu leuchten.

Die Reise der Schnuppe.

Als die Sternschnuppe wiederkehrte, war sie nicht mehr dieselbe. Ihr Licht war matter, ihre Bahn unsicher. Der junge Stern fragte, wo sie gewesen sei. Sie sagte: „Ich war am Ende der Milchstraße. Dort, wo die Zeit stillsteht.“ Er fragte, was sie dort gesehen habe. Sie schwieg lange. Dann erzählte sie von einem Ort, an dem die Welten wie Flocken im Wind treiben, von einem Meer, das aus Sternenstaub besteht, von einem Berg, der so hoch ist, dass man von dort den Anfang der Zeit sieht. Sie sagte: „Ich habe alles gesehen, was es zu sehen gibt. Und ich habe nichts gefunden, das so leuchtet wie du.“ Der junge Stern hielt sein Licht still. Er sagte: „Dann bleib.“ Sie sagte: „Ich bleibe.“

Das Versprechen.

In jener Nacht schworen sie sich, dass nichts sie trennen würde. Nicht die Winde, die durch die Milchstraße fegen, nicht die schwarzen Löcher, die alles verschlingen. Sie schworen, dass ihr Licht füreinander brennen würde, solange der Himmel existiert. Die alten Sterne in der Umgebung schüttelten ihre Bahnen. Sie sagten, so etwas habe es noch nie gegeben. Eine Schnuppe, die nicht vergeht. Ein Stern, der nicht allein bleibt. Doch die beiden achteten nicht darauf. Sie leuchteten gemeinsam, und ihr Licht wurde wärmer, tiefer, stiller. Manchmal, in den Nächten, in denen ich am Strand sitze, glaube ich, sie zu sehen. Zwei kleine Lichter, die nicht wandern. Die einfach da sind.

Der Morgen danach.

Als der erste Lichtstreifen über dem Meer erschien, legte ich die Feder nieder. Ich war die ganze Nacht auf gewesen, hatte geschrieben, gestrichen, neu geschrieben. Meine Finger taten weh, meine Augen brannten. Ich stand auf, öffnete die Tür. Draußen lag der Garten im Tau, die Rosen hingen schwer von der Feuchtigkeit. Und dort, auf der alten Bank unter dem Holunderbaum, saß meine Frau. Sie trug den Mantel, den sie seit Jahren nicht mehr angezogen hatte. Ihr Haar war weiß im Morgenlicht, ihr Lächeln ruhig. „Ich habe geträumt“, sagte sie, als ich mich neben sie setzte. Ich fragte nicht, wovon. Sie nahm meine Hand. Ihre Finger waren kalt, aber sie hielt fest. „Von Sternen“, sagte sie leise. „Und von dir.“ Ich spürte, wie die Müdigkeit der Nacht von mir abfiel. Wir saßen zusammen, während die Sonne aufging, und keiner sprach. Die Vögel begannen zu singen, der Wind brachte den Geruch von Salz und feuchter Erde. Es war wie in den ersten Jahren, nur stiller.

Das Geschenk.

Am Nachmittag, als sie wieder schlief, legte ich das Manuskript auf ihren Nachttisch. Ich hatte die Blätter mit einem Band aus Leder zusammengebunden, das ich noch aus meiner Studienzeit besaß. Kein Titel stand darauf. Nur ihre Initialen in der Ecke. Ich schrieb eine Zeile auf das erste Blatt: „Eine wunderbare Ehe ist kein Grund zur Sorge.“ Darunter: „Sie ist der Grund, hier zu bleiben.“ Als sie aufwachte, hörte ich sie blättern. Lange. Dann kam sie in die Küche, stellte sich neben mich und legte den Kopf an meine Schulter. „Du hast von Sternen geschrieben“, sagte sie. Ich nickte. „Und von uns.“ Ich nickte wieder. Sie schwieg eine Weile. Dann sagte sie: „Die Schnuppe hat nicht vergessen.“ Ich wusste nicht, ob sie von der Geschichte sprach oder von uns. Vielleicht war es dasselbe.

Ein Funke, der bleibt.

In jener Nacht, als ich die letzte Zeile schrieb, zog ein Gewitter über das Meer. Kein Regen fiel, nur Blitze, die den Himmel in orangene und violette Farben tauchten. Ich trat vor die Tür und sah zu. Am Strand standen Menschen, deren Silhouetten sich gegen das Licht abhoben. Sie sahen nach oben, wie ich. Aber ich sah nicht die Blitze. Ich sah den Sternenhimmel, der sich nicht veränderte, der einfach da war, wie unsere Liebe. Später, als das Feuer erloschen war und die Menschen nach Hause gingen, saß ich noch eine Weile auf der Düne. Ich dachte an den jungen Stern und die Schnuppe, die blieb. An die alte Sternschnuppe, die nicht glauben wollte. An die dunkle Wolke, die flüsterte. An die Nächte, in denen ich zitterte, wie er. Meine Frau würde morgen fragen, warum ich so spät ins Bett kam. Ich würde sagen: Ich war spazieren. Und sie würde lächeln, weil sie wusste, dass ich nicht spazieren war, sondern bei ihr. In Gedanken. Immer. Ich stand auf, ging zurück ins Haus. Das Manuskript lag auf ihrem Nachttisch, das Band war gelöst. Sie hatte es gelesen, während ich draußen war. Ich legte mich neben sie, spürte ihren Atem, der ruhig kam und ging. Draußen war das Meer still, die Sterne waren untergegangen. Aber ich wusste, dass sie wiederkommen würden. Wie die Schnuppe, die nicht verging. Wie wir.


Mit einem Hauch von Vergänglichkeit und den Sternen im Blick,
Ihr Erzähler von stillen Wundern und Chronist der Liebe, die nicht vergeht.

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*Der geneigte Leser möge es mir nachsehen, dass ich nicht genau verrate, unter welchem Stern sie den ersten Wunsch tat, an welchem Strand das Feuerwerk stieg und wie viele Nächte der junge Stern wirklich warten musste. Was die Jahre an Karten und Wegen verschlangen, was neue Zeiten an alten Namen glätteten, ich habe es nicht genannt. Ein Versprechen, das in den Himmel geschrieben ist, führt kein Kataster. Und sollte der eine oder andere Funke heute anders leuchten als damals, so sei dies der Ehrfurcht geschuldet, die bekanntermaßen vor keinem Stern Halt macht.

Quellenangaben:
Inspiriert von vergangenen Liebesgeschichten, einer Nacht am Meer, Sterne tiefer schienen als je zuvor, und von dem Versprechen, dass Liebe nicht vergehen muss.
Sternwarte Dresden: Sterne erleben
Sächsische Schweiz: Nachtwanderungen
Feuerwerk am Meer: Geschichten vom Strand
Meyers Konversations-Lexikon 3. Auflage 1874 - 1884
Wikipedia – Die freie Enzyklopädie


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