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Oberlausitz - Hornja

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Internet-Magazin Gedanken Am Strand Licht Des Mondes Am Ufer Des Lido ...

Vom Blau des Nachthimmels und Schaum der Wellen.

Der Abschied der Sonne und das Erwachen der Nacht am Ufer des Lido.

Die Sonne trank das Meer. Ein letzter Streifen Gold, dann Purpur, dann ein erlöschendes Ziegelrot am Horizont. Die Stille, die nun kam, war kein Leersein. Sie war ein volles, tiefes Atemholen der Welt. Ich zog meine Schuhe aus und spürte sofort den feuchten Sand unter den Fußsohlen, kühl und nachgiebig. Hier, an dieser Schwelle zwischen Tag und Nacht, blieb die Zeit stehen. Der Wind trug das Salz der Adria und das Versprechen von Geschichten. Ich folgte dem ersten Silberstreif am Himmel. Dem Mond.

Das Blau des Nachthimmels webte ein lebendiges Tuch über der Adria.

Das Blau des Nachthimmels war kein einfaches Schwarz. Es war ein lebendiges Tuch, das von Tiefblau zu einem samtigen Indigo wechselte, wo die Sterne sich durchbohrten. Mein Atem synchronisierte sich langsam mit dem Rauschen der Wellen. Es war ein regelmäßiges Ein und Aus, das den Strand umspülte und den Sand unter meinen Füßen mit jedem Zugriff weicher, kühler machte. Die Hektik des Tages, das Summen in meinem Kopf, löste sich in diesem Rhythmus auf. Ich war nur noch diese Schritte, dieser kühle Druck unter den Sohlen, dieser weite, blaue Raum über mir.

Das Mondlicht am Lido erzählte Geschichten in Mustern und Bewegung.

Das Mondlicht am Lido war ein Komplize. Es strich über die Dünenkämme, ließ die Gräser silbern aufleuchten und goss sich als flüssiges Zinn auf die flache See. Die Adria verwandelte sich in ein schimmerndes, ruheloses Mosaik. Jede Welle trug das Licht auf ihrem Rücken, trug es ans Ufer und nahm es, zerbrochen zu tausend Fragmenten, wieder mit hinaus. Ich setzte mich in den noch warmen Sand einer Düne. Das Licht sprach keine Worte. Es erzählte in Mustern, in Bewegung, im Glitzern einer Muschelschale. Es erzählte von Entfernung und von unmittelbarer, körperlicher Nähe. Die Kälte der Luft kratzte in meiner Lunge.

Die Stille vor dem Sturm und das Erwachen des Himmels über dem Meer.

Die Stille kam zuerst. Das Rauschen der Wellen erstarb zu einem leisen Ausatmen, dann zu nichts. Die Luft stand. Sie war dick und schwer, ein unsichtbarer Wollteppich, der jeden Schalldämpfte. Selbst das Licht des Mondes schien gefangen, ein fahler, statischer Schein auf dem wasserglatten Meer. Es war, als halte die Welt den Atem an. Dann, weit hinten über der offenen Adria, ein leises Grollen. Es war kein Geräusch, das man hörte, es war eines, das man im Brustkorb spürte. Ein langsames, bedächtiges Rollen, als würde ein riesiger Stein über den Himmelsboden geschoben. Die Luft roch urplötzlich nach verbranntem Ozon und aufgewirbeltem Staub. Der erste Windstoß war eine Erlösung. Er kam heiß und abrupt, fegte über den Strand und wirbelte eine Fontäne aus trockenem Sand auf. Die See antwortete mit einem zischenden Seufzen. Dann zerriss ein blinder, blauer Zickzack den Himmel – sekundenlang war alles in grelles, gespenstisches Licht getaucht: die verwaisten Badehütten, die krummen Kiefern, mein eigener, verloren wirkender Schatten vor mir auf dem Sand. Der Donner folgte sofort, ein krachendes, splitschendes Getöse, das den Boden unter meinen Füßen erzittern ließ. Die ersten, dicken, warmen Tropfen fielen, schlugen Krater in den staubigen Sand. Ich blieb stehen, das Gesicht gen Himmel. Der Regen würde alles reinwaschen, den Staub des Tages, die Spuren, die zarten Gedanken der Nacht. Es war kein Untergang, es war ein großes, rauschendes Erwachen.

Eine Frau, deren Hände die Geschichte des Meeres in der Haut trugen.

Ich bemerkte sie erst, als ich den Geruch von nasser Wolle und getrocknetem Tang wahrnahm. Sie saß wenige Meter entfernt, in eine dunkle Decke gehüllt, ein Teil der Nacht selbst. Nur ihre Hände, die auf den Knien lagen, waren sichtbar, von der Sonne und dem Salz gegerbt, jede Ader eine Erhebung auf der Landkarte ihrer Haut. Sie blickte aufs Meer, als erwarte sie ein bestimmtes Schiff. „Es gibt keine Antworten da draußen“, sagte sie. Ihre Stimme klang rau, wie Kies, den die Wellen hin und her schieben. „Nur größere Fragen.“ Sie drehte den Kopf nicht zu mir. Ich sagte nichts. Nach einer Weile stand sie auf, wickelte die Decke fester und ging den Strand hinauf, bis sie in der Dunkelheit der Pinien verschwand. Ihr Geruch blieb zurück, und das Gefühl, dass ihre Worte keine Feststellung, sondern eine Erlaubnis waren.

Eine Flaschenpost mit einer Botschaft, die das Meer aufbewahrt hatte.

Der Wind drehte und brachte den intensiven, modrigen Duft von Seetang und zersetzendem Holz. Ich ging näher ans Wasser, wo der Sand sich spiegelglatt anfühlte. Ein grüner Schimmer zwischen zwei schwarzen Algenbündeln zog meinen Blick an. Es war eine Flasche. Das Glas war matt, von tausend unsichtbaren Stürmen blind geschliffen. Sie lag schwer in meiner Hand, kühl und fremd. Im Innern, verschwommen hinter der grünen Wand, ein zusammengerolltes Papier. Der Korken ließ sich mit einem leisen, surrenden Geräusch herausdrehen. Das Papier fühlte sich brüchig an, wie alte Haut. Ich rollte es vorsichtig auf. Die Tinte war verblasst, zu einem blassen Grau verwaschen, aber die Schrift war deutlich, eine energische, kursive Hand. *„Ich werfe dies für Dich in die Wellen, obwohl ich nicht weiß, ob es Dich gibt. Vielleicht bist Du nur die Stille, nach der ich mich sehne. Vielleicht findest Du dies und weißt, dass jemand, irgendwann, genau dieses Hier und Jetzt ertragen musste, um weiterzugehen. Lass es Dich tragen.“* Keine Unterschrift. Kein Datum. Ich blickte von dem Zettel auf das endlose, dunkle Meer. Irgendwo da draußen hatte jemand diese Worte beschwert und dem Wasser anvertraut. Jetzt lagen sie in meiner Hand. Ich steckte den Zettel ein und vergrub die Flasche sorgfältig an derselben Stelle. Eine Botschaft war kein Besitz. Sie war eine Weggabe.

Der Name Lena im Sand und die Wellen, die ihn beharrlich auslöschten.

Meine eigenen Fußabdrücke zogen sich dunkel und deutlich im feuchten Sand hinter mir her. Dann stieß ich auf andere. Nicht von Füßen. Es waren Buchstaben. Jemand hatte mit einem Stock oder einem Finger *„LENA“* in den Sand geritzt, knapp oberhalb der Wellenlinie. Die Buchstaben waren tief und klar, die Kanten schon von der anlaufenden Feuchtigkeit unscharf gemacht. Ich blieb stehen. Lena. Ein Name. Ein Anker für eine Geschichte, die ich nie erfahren würde. War sie diejenige, die die Flasche geworfen hatte? War sie die, die gesucht wurde? Ich kniete mich daneben. Das salzige Wasser der letzten Welle sickerte bereits in die Vertiefung des großen *L*. Ich legte meine Handfläche neben den Namen. Der Sand fühlte sich kalt und entschlossen an. Dann kam eine neue Welle, sanfter, aber beharrlich. Sie überspülte die untere Hälfte des Namens. Das *A* verschwand, dann das *N*. Das *E* verwandelte sich in eine glatte Mulde. Als sich das Wasser zurückzog, war nur noch das *L* zu sehen, ein einsamer, verwaschener Haken. Die nächste Welle löschte es vollständig aus. Der Strand war wieder glatt, nur meine Knieabdrücke und der wachsende Schatten meinem Körpers im Mondlicht blieben zurück.

Der Leuchtturm als pendelnder Wächter und die Möwe als Jäger.

Weiter hinten, dort wo der Lido sich zu einer schmalen Landzunge formte, stand der Leuchtturm. Sein Licht schnitt regelmäßig wie ein riesiges Pendel über das schwarze Wasser, über den Strand, über mich hinweg. Weiß. Dunkel. Weiß. Dunkel. Jeder Umlauf ein Atemzug der Nacht. In dem Moment, als das Licht mich wieder freigab, hörte ich einen durchdringenden Schrei. Eine Möwe stieß aus der Dunkelheit herab, ein weißer Blitz gegen das Indigo des Himmels. Sie schwebte einen Augenblick regungslos über den Wellen, dann falteten sich ihre Flügel und sie schoss wie ein Pfeil ins Wasser. Es gab einen leisen Platsch. Sekunden später brach sie wieder auf, schüttelte sich, und in ihrem Schnabel zappelte ein kleiner, silberner Fisch. Das Mondlicht fing sich in den Schuppen, funkelte für einen Herzschlag. Dann flog die Möwe davon, den Fisch als triumphierenden Schrei in der Kehle. Der Kreislauf war simpel und brutal. Suchen. Finden. Verschlingen. Weiterleben. Ich fragte mich, welche Antwort die Möwe in den Tiefen gefunden hatte.

Die Sage vom Fischer, der zum Stein und zum Leuchtturm wurde.

Der Leuchtturmwärter war ein Mann aus Stein, so ging die Geschichte. Vor hundert Jahren, als der erste Turm aus Holz vom Wintersturm zerschmettert wurde, habe sich ein Fischer namens Andrea geweigert, das Ufer zu verlassen. Er stemmte sich gegen die Bretter, als die See kam, und als das Wasser ihn umspülte, erstarrte er zu Granit. Aus seinem Rücken wuchs der neue, steinerne Turm, sein Herz schlage noch immer in der Lampe, die alle zwölf Sekunden blitze. Die Jungen am Lido erzählten sich das, wenn sie nachts am Kai saßen und die Schiffe passierten. Sie zeigten auf den dunklen Streifen am Sockel, das sei sein versteinerter Mantel. Ich blickte zu dem schweigenden, weißen Turm hinauf. Kein Herzschlag aus Stein, nur das stetige, mechanische Drehen des Lichts. Aber womöglich, vermutete ich, war die Legende nur eine andere Art, die Ausdauer zu beschreiben. Die stumme Entschlossenheit, dem Meer die Stirn zu bieten, Nacht für Nacht. Das Licht übermalte meine Hand, die ich gegen den kühlen Stein der Mole presste. Für einen Augenblick war ich verbunden mit allen, die je hier gestanden und auf die schwarze See hinausgeblickt hatten, getrieben von derselben Furcht und derselben Sehnsucht.

Der Nebel stieg aus dem Meer und hüllte die Welt in eine Kapsel.

Eine neue Kühle kroch aus dem Meer. Sie lag nicht mehr nur in der Luft, sie stand auf. Dünne, graue Schwaden stiegen aus der glatten Wasseroberfläche, wuchsen zu wallenden Vorhängen heran. Der Nebel fraß das Mondlicht, dämpfte es zu einem milchigen, diffusen Schein. Die Welt schrumpfte auf einen Radius von wenigen Metern. Das Rauschen der Wellen klang plötzlich lauter, näher, als käme es aus meinem eigenen Innern. Ich konnte die Linie des Horizonts nicht mehr sehen. Den Leuchtturm nur noch als einen verschwommenen, gelblichen Fleck. Ich war eingeschlossen in diese weiche, feuchte Kapsel aus Licht und Schall. Alle Bilder der Nacht – die alte Frau, die Schrift auf dem Papier, der verschwindende Name – tauchten vor mir auf, nicht als Gedanken, sondern als Gefühle im Magen, als Enge in der Brust. Der Nebel war wie der Schleier dazwischen. Zwischen dem, was war, und dem, was ich daraus machte.

Der Geschmack des Meeres auf der Zunge, bitter und rein.

Ich ging bis an den Rand, wo das Wasser meinen Fuß umspülte. Die Kälte war ein Schock, ein jähes, klares Ja. Ich trat weiter. Das Wasser stieg mir an die Knöchel, an die Waden. Jede Welle zog mit einer sanfte, unerbittlichen Gewalt an mir. Sie wollte mich ins Gleichgewicht bringen, in ihren eigenen Rhythmus zwingen. Ich bückte mich und schöpfte eine Handvoll Wasser. Ich kostete es. Das Salz brannte auf meiner Zunge, bitter und rein. Es war der Geschmack dieser Nacht, der Geschmack von Tränen, die nicht geweint waren, und von einem Meer, das alle Tränen in sich trug. Ich ließ das Wasser durch meine Finger rinnen. Der Nebel hing in meinen Haaren, bildete winzige Perlen auf meinem Pullover. Ich war kein Beobachter mehr. Ich war ein Element in diesem nächtlichen Ritual.

Ein schwarz-weiß geäderter Kiesel, geschliffen von Zeit und Reibung.

Mein Fuß stieß auf etwas Glattes, das nicht Sand war. Ich tauchte meine Hand ins kalte Wasser und holte einen Kiesel hervor. Schwarz und weiß geädert, von der Zeit und dem ewigen Reiben perfekt geschliffen. Er lag schwer und beruhigend in meiner Handfläche, ein Stück Ewigkeit. Ich wog ihn. Diese eine, kleine Sache, die blieb, während Namen verschwanden und Briefe verblassten. Ich holte aus und warf ihn mit einem Schwung weit hinaus in den Nebel, dorthin, wo ich das Meer nur hören konnte. Ich hörte kein Platschen. Nur das stetige Rauschen. Aber ich wusste, dass er dort war. Dass er jetzt seine eigenen Kreise zog, unsichtbar für mich, Teil einer Geschichte geworden, die ich nicht mehr kannte. Das Loslassen fühlte sich nicht wie Verlust an. Es fühlte sich wie Erweiterung an.

Die Karte dieser Nacht war in mir und der Strand ging weiter.

Ich drehte mich um und blickte landwärts. Vom Nebel verschluckt war keine Orientierung mehr möglich. Kein Leuchtturm, keine Dünenlinie. Nur der feuchte Sand unter meinen Füßen, der in der milchigen Helligkeit schimmerte. Doch ich spürte keine Panik. Eine tiefe, müde Gewissheit hatte sich in mir ausgebreitet. Die Karte dieser Nacht war nicht außen. Sie war in mir. Die kühle Berührung des Flaschenglases. Der Geruch der alten Decke. Der salzige Geschmack des Meeres auf meiner Zunge. Der flüchtige Druck der Buchstaben im Sand unter meinen Fingern. Das waren meine Koordinaten. Ich begann zu gehen, nicht weil ich wusste, wo das Festland war, sondern weil der Strand unter mir weiterging. Der Mond war mein unsichtbarer Begleiter, irgendwo da oben hinter der Wolkendecke, und sein Licht, durch Milliarden Wassertröpfchen gebrochen, war die einzige Führung, die ich brauchte.

Der Morgen tauchte den Lido aus dem Nebel und wusch die Nacht ab.

Die ersten Vögel riefen. Kein lauter Gesang, nur einzelne, verwirrte Töne aus dem Nebel über den Dünen. Das Schwarz des Himmels hellte sich zu einem stumpfen Grau auf. Der Übergang war kaum merklich. Das Mondlicht erlosch nicht, es wurde einfach vom anwachsenden Grau des neuen Tages absorbiert. Der Lido tauchte Stück für Stück aus dem Nebel auf. Die Konturen der ersten Badebuden. Der dunkle Streifen des Pinienwaldes. Die Welt kehrte zurück, aber sie war eine andere. Sie war gewaschen, klar, von der Dramatik der Nacht befreit. Der Strand lag leer da, glatt und unschuldig, jede Spur von mir und den anderen längst von der Flut getilgt. Die Magie war nicht fort. Sie hatte sich nur in das Einfache, Helle zurückgezogen. In das Kreischen der Möwen, die jetzt über das Wasser jagten. In den Geruch von frischem Kaffee, der von einem frühen Hotel frühstück herüberwehte.

Zwei Fischer zogen ihr Boot an Land und ihre Hände erzählten vom Tag.

Sie kamen aus dem Nebel, als wüchsen sie aus dem Wasser selbst. Zwei Männer, ihre Oberschenkel von der Gischt weiß gesprenkelt, zogen ein kleines, dunkles Boot an Land. Das Holz knarrte im Rhythmus ihrer Bewegungen. Sie sprachen nicht. Ihre Hantieren hatte die Präzision einer uralten Choreografie. Netze, blau und schwer, wurden auf dem nassen Sand ausgebreitet, glitzerten mit einem zarten, silbernen Leben darin. Ich blieb stehen, eine respektvolle Distanz wahrend. Der Ältere, sein Gesicht eine tief zerfurchte Landkarte unter einer Wollmütze, blickte auf. Seine Augen waren von einem hellen, wässrigen Grau, die Farbe des Wintermeeres. Er nickte mir zu, kein Lächeln, eine reine Bestätigung meiner Anwesenheit. Dann griff er in das Netz und löste einen Fisch, ließ ihn in einen Eimer gleiten. Das Tier schlug einmal kraftlos gegen die Blechwand. „Der Morgen bringt, was die Nacht versteckt“, sagte der Mann, mehr zu sich selbst als zu mir. Seine Hände, rissig und mit alten Narben, arbeiteten weiter. Der Geruch hier war anders als in der Nacht: scharf nach Fisch, nach nassem Hanf und nach der schweißigen Mühe der Arbeit. Es war der Geruch des Tages, der kein Abenteuer, sondern Pflicht war. Ich ging weiter, ließ sie mit ihrem Fang zurück. Ihre Stille war keine leere, sondern eine gefüllte, die von der Last und der Würde einer ganz anderen Beziehung zum Meer sprach.

Ich trug die Botschaft der Flasche und das Gefühl des Wurfs in mir.

In meiner Jackentasche raschelte das Papier. Ich berührte es nicht. Ich wusste, was darauf stand. Die Worte hatten sich in mein Gedächtnis eingebrannt. *„…damit jemand, irgendwann, genau dieses Hier und Jetzt ertragen musste, um weiterzugehen.“* Ich hatte die Flasche nicht mitgenommen. Aber ich trug die Botschaft. Und ich trug den Kiesel nicht, aber ich trug das Gefühl seines Gewichts in meiner Hand und die Bewegung des Wurfs in meiner Schulter. Der Abschied von dieser Nacht war kein Ende. Es war ein Übergeben. Ich hatte etwas empfangen und etwas zurückgelassen. Vielleicht war ich selbst für einen kurzen Moment die Flaschenpost gewesen, eine Botschaft an mich selbst, ausgesandt und am selben Ufer wieder angespült, nur um eine Note reicher.

Der Kiosk am Morgen und die Gespräche über Stürme und Hochwasser.

Die ersten Menschen tauchten auf der Promenade auf. Ein Jogger, dessen Atem in weißen Wolken vor ihm her jagte. Eine Frau mit einem Hund. Das Leben forderte seinen Raum zurück. Ich folgte dem Geruch von Kaffee und gebrannten Mandeln zu einem kleinen Kiosk, der gerade seine blauen Fensterläden öffnete. Drinnen summte eine Espressomaschine. Ich setzte mich an einen wackeligen Metalltisch draußen, die Kälte des Stahls drang durch die Hose. Zwei ältere Herren am Nachbartisch diskutierten das Wetter. „Der Scirocco kommt morgen“, sagte der eine und tippte gegen seine Zeitung. „Dann liegt der ganze Tang wieder bis hier oben.“ Sie sprachen von Stürmen und Hochwasser, von vergangenen Wintertagen, als das Wasser bis zu den ersten Häusern stand. Es war die Sprache des Alltags, des pragmatischen Lebens mit dem Meer. Eine junge Frau mit einem Notizbuch und verstrubbelten Haaren saß in der Ecke, starrte auf eine leere Seite. Sie biss auf ihren Kugelschreiber. Unvermittelt schaute sie mich an, direkt und neugierig. Dann senkte sie den Blick wieder, als hätte sie in meinem Gesicht etwas erkannt, was sie suchte. Ich bestellte einen Kakao, der zu süß und zu heiß war. Er wärmte mir die Hände. Die Fragmente von Gesprächen, das Klirren von Geschirr, das rhythmische Schlagen der Flaggenleine gegen den Mast vorm Kiosk – es war ein beruhigender Lärm. Eine sanfte Landung nach der Stille der Nacht. Ich ließ ein paar Cent Trinkgeld auf dem Porzellanteller. Die Frau mit dem Notizbuch war verschwunden. Auf ihrem Stuhl lag eine einzelne, geknickte Feder, grau und weiß.

Die Erinnerung an das Meer wird ein Ort der Stille und Weite in mir.

Manchmal, in überheizten Räumen oder im Gedränge der Straßenbahn, schließe ich die Augen. Dann ist es wieder da. Das kühlende Blau der Nacht über dem Lido. Das sanfte, weiße Licht auf den Wellenkämmen. Das salzige Brennen auf meiner Zunge. Es ist kein Tagtraum. Es ist ein Ort in mir, den ich betreten kann. Ein Raum aus Stille und Weite. Die Flasche liegt sicher irgendwo im Sand oder treibt längst in einer anderen Strömung. Der Name Lena existiert irgendwo anders, auf einem Briefkuvert, in einer freundlichen Begrüßung. Die alte Frau wärmt sich vielleicht an einem anderen Feuer. Und ich? Ich schreibe manchmal, wenn die Sehnsucht nach dieser Weite übermächtig wird, ein Wort in den feuchten Boden eines Blumentopfs. Ich warte, bis die Erde es aufgesogen hat. Dann gieße ich nach. Es ist keine Botschaft für jemand anderen. Es ist die Erinnerung daran, dass alle Spuren vergänglich sind, und dass gerade das ihr unerschöpflicher Trost ist. Der Mond, irgendwo da draußen, zieht weiter seine Bahn. Und das Meer rauscht. Immer.


Mit einem wohltuenden Gefühl der Freiheit und einem Auge für die sich verändernden Farben des Lichts,
Ihr Strandläufer am Lido und Fotograf von flüchtigen Momenten und zauberhaften Augenblicke einer märchenhaften Küstenwelt.

*Der geneigte Leser, sofern er nicht bereits barfuß am mondbeschienenen Adriastrand spaziert, wird womöglich erkennen, dass dies keine Geschichte im klassischen Sinn ist, sondern ein leises Mosaik aus Licht, Klang und Vergänglichkeit. Wer zwischen den Zeilen auf eine Handlung wartet, sei daran erinnert, dass auch das Meer keine Handlung kennt, nur Wellen, Rhythmen, Wiederholungen und ein ewiges Kommen und Gehen. Vielleicht liegt darin mehr Wahrheit als in manchem Plot. Und wer weiß, vielleicht bringt die nächste Flaschenpost, die Sie finden, bereits eine Antwort auf eine Frage, die Sie noch gar nicht gestellt haben.

Quellenangaben:
Inspiriert von einem Hauch salzigen Meeresluft und tanzenden Wellenschaum in den blauen Nächte am Lido.
Meyers Konversations-Lexikon 3. Auflage 1874 - 1884
Zeit.de: Die Poesie der Stille
Wikipedia: Flaschenpost
National Geographic: Die Psychologie des Meeres
Historische Postkarten und Seebäder, Archiv der Adriaregion
Claude Roy: Die Nacht gehört dem Meer
Fragment einer Flaschenpost, gefunden 2022 an einem Strand bei Chioggia

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Oberlausitz - Hornja £uzica - Górna £uzyca - Lusatia superior - Ausflugsziele und Reisen

Die Oberlausitz ist zum größten Bereich zu Sachsen, wie auch zu kleineren Teilen zu Polen ebenso wie Brandenburg gehörig. In Sachsen umfasst die Oberlausitz die Landkreise Kamenz, Bautzen, Löbau-Zittau und den Niederschlesischen Oberlausitzkreis, sowie die beiden kreisfreien Städte Görlitz und Hoyerswerda. In Brandenburg gehört der südliche Teil des Landkreises Oberspreewald-Lausitz zur Oberlausitz (früher Kreis Senftenberg), der Städte wie Ruhland und Ortrand umfasst. Der seit 1945 polnische Teil der Oberlausitz zwischen den Flüssen Neiße und Queis gehört administrativ zur Woiwodschaft Niederschlesien. Um die Terrasse entstand ein wunderschöner Garten, der zum gemütlichen spazieren gehen an blühenden Blumenbeeten und am plätschernden Wasserfall einlädt. Die Oberlausitz Die Oberlausitz ist die östlichste Ferienlandschaft Deutschlands, zu den Grenzen Polens und der Tschechischen Republik. Im Westen beginnt die Oberlausitz bei Bischofswerda, welches auch das Tor zur Oberlausitz genannt wird und erstreckt sich im Norden bis nach Kamenz und noch weiter darüber hinaus. Besuchen Sie eine der berühmten Sehenswürdigkeiten, wie den Ausflugsziele und Reisen Welterbe Muskauer Park oder das Barockschloss Rammenau. Dieses Ausflugsziel in der Oberlausitz dürfen Sie nicht verpassen! Die größten Orte in der Oberlausitz sind Bautzen im Zentrum und Görlitz im östlichen Teil an der deutschpolnischen Grenze. Die Oberlausitz bietet Ihnen ein Wechselspiel der Landschaften, welche nur hier in dieser Form anzutreffen ist. Im Norden eine Teich- und Heidelandschaft, im Süden ein Bergland mit vielen Aussichtstürmen und weitreichenden Rad- und Wanderwegen bis hin ins Zittauer Gebirge an der tschechischen Grenze. Der Urlaub in der Oberlausitz heißt Energie tanken, gewaltige Naturerlebnisse mit sportlichen Erlebnissen verbinden. Außerdem bietet die Oberlausitz eine Vielzahl an einzigartigen Sehenswürdigkeiten und ist reich an Sagen rund um die Schätze, die früher mit in den Bergen gewesen sein sollten. In diesem Augenblick wurde Anna die Koblenzer Zeitung vom heutigen Tage, und zwar von Koblenz aus, übersandt, in welcher folgender Artikel zu lesen ist: Wetzlar, 4. Nov. Am 3. November mit Anna nach Wetzlar zurückgekehrt. […] Mehr lesen >>>


Pfalzgrafschaft Sachsen,

seit der Zeit der Sächsischen Kaiser ein Landstrich in Thüringen von Süden nach Norden von Rabensburg bis Sangerhausen, mit dem gewöhnlichen Sitze des Pfalzgrafen in Allstädt. Pfalzgraf Friedrich I. von Sommerseburg, Sohn Adelbert Sevekos, Grafen von Sommerseburg, nahm 1115 an der Empörung der sächsischen Fürsten gegen Heinrich V. Theil u. wurde seiner Würde entsetzt, aber der Sieg am Welfesholz lähmte die Wirksamkeit der Entsetzung; er half dann Quedlinburg belagern u. 1116 Naumburg von den Kaiserlichen erobern, söhnte sich aber in Goßlar 1120 wieder mit dem Kaiser aus u. starb in demselben Jahre 1120. Vom Nil bis an den Taurus erstreckt sieh das Gebiet des schwarzen Latakiah, weiter hinauf im Norden hat der Kaufmann nur das gelbe Kraut von Constantinopel und Salonik feil. Im Norden tragen die Frauen Mäntel von allerlei Farben: fenerrothe, himmelblaue, kaffeebraune, orangegelbe, im Süden mit Ausnahme der immer nur in blaue Raumwolle gehüllten Bauerweiber, kaum andere als weisse Ueberwürfe, wie in Palästina, oder sehwarze wie in Aegypten. Dort herrschen in der Tracht Fez und Jacke vor, hier der alterthüinliche Turban, die Krone des Islam, die Kuffieh des Beduinen und die faltige bis auf die Knöchel herabfällende Abajeh. Verschieden ist die Form der Schleier, verschieden endlich auch, um mit einem Nebending zu schliessen, der Tabak, mit dem man die Pfeife zu füllen pflegt. Dort rasirt man sieh bis auf die Oberlippe, hier lässt man sich den Vollbart der Patriarchen wachsen. An den Hauptseiten wiederholt sich die Fensterordnung des zweiten Stockwerkes. Ein feines Mosaikband rahmt jede Fensteröffnung ein, ebenso den großen Umfassungsbogen, der außerdem als Hauptglied aneinander gereihte Halbzylinder, eine förmliche Bossage besitzt. Das vierte Stockwerk, vom dritten durch eine Reihe kräftiger Machicoulis getrennt, ist dem letzteren in allem Wesentlichen gleich. In dem Augenblick, als Erfolg winkte, konnte also der kleinste Stein unter dem Fuß eines dieser drei Wesen den Zusammenbruch des phantastischen Baues einer so verwegen errichteten Glücksstellung herbeiführen. […] Mehr lesen >>>


Staates Symphonie

Als der letzte Balkentreter steh ich armer Enterbeter in des Staates Symphonie, Ach, in diesem Schwall von Tönen Wo fänd ich da des eigenen Herzens süße Melodie? Vor allem im Sommer ist die Lage zwischen der sehr warmen Lausitz und dem kühleren Erzgebirge bemerkenswert. Zwischen diesen beiden Regionen können an einzelnen Tagen Temperaturunterschiede von bis zu 10 Grad herrschen. Durch die neu erschlossenen Wohnungsstandorte würden langfristig neuer Pendlerverkehr erzeugt und Entlastungen wieder wettgemacht. In der Periode 1981 bis 2010 betrug die mittlere Temperatur in Klotzsche im Januar 0,1 °C und im Juli 19,0 °C. gehört Dresden zu den wärmsten Städten in Deutschland. Die Stadtgrenze ist dann in gewisser Weise zugleich eine Isotherme. Der Einfluss auf die Luftzufuhr der Stadt wurde ebenfalls kritisch gesehen. In der Nachbarschaft liegen der Landkreis Bautzen mit der Stadt Radeberg, der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge mit den Städten Pirna, Heidenau und Freital und der Landkreis Meißen mit Moritzburg und der Stadt Radebeul. Die Autobahn ist besonders bedeutend für den LKW-Fernverkehr in Nord-Süd-Richtung und entlastet die Hauptstraßen der Stadt im Berufsverkehr, da sie parallel und nah zum Verdichtungsraum um Dresden verläuft und dadurch Pendlern aus Pirna und Heidenau nutzt. Etwas weiter entfernt liegen Meißen, Riesa und die Bergstadt Freiberg. Alle erwähnten Städte grenzen direkt an Dresden und bilden den Kernraum des Ballungsraumes Dresden. Südlich benachbart liegen Dohna, Kreischa und Bannewitz. Weitere angrenzende Gemeinden sind die Stadt Wilsdruff und Klipphausen im Westen, Radeburg, Ottendorf-Okrilla und Wachau im Norden sowie Arnsdorf und Dürrröhrsdorf-Dittersbach im Osten. Der Sänger des Triumphliedes, der Dichter der »Akademischen Fest-Ouvertüre« und derF-dur-Symphonie hatte ein erworbenes Recht, als der getreue Eckart des über alles geliebten Vaterlandes aufzutreten, um beizeiten den weithin vernehmbaren Ruf seiner zum Repräsentanten-Chor der zerstreuten Gleichgesinnten vervielfachten Stimme zu erheben. Jetzt, da er von den beiden, einst rivalisierenden, nun längst versöhnten großen mächtigsten Kulturstaaten Europas, deren Kraft auf dem Wesen des Deutschtums beruht. […] Mehr lesen >>>


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